¡Mañana no existe!: 3 Monate in Cartagena

«Hola», ist alles, was ich am Tag meiner Ankunft in Cartagena kann. Die Stadt in Kolumbien ist bunt und chaotisch. Die Menschen auf der Strasse laut. Manche sprechen mich sogar an. Wollen wissen, woher ich komme. Immer ein Lächeln im Gesicht.

Zuhause heisst mich Ingrid, meine Gastmutter, herzlich willkommen und drückt mich an sich. Ich verstehe kein Wort davon, was sie sagt. Bobby, ihr Hund, beschnuppert mich derweil neugierig. Der Papagei im Käfig plappert fröhlich vor sich hin.

Das weisse Häuschen ist einfach und sehr sauber. Ihr üppiger Garten draussen wirkt auf den ersten Blick wie ein Dschungel. Ich fühle mich wohl da.

Lernen mit guten Aussichten: Draussen vor Ingrids Haus.

Auf meinem Schulweg am nächsten Morgen fahre ich an roten, gelben und blauen Häusern vorbei. Von weitem sehen sie wie Smarties aus. Der Anblick des Centro Catalina Spanish School Cartagena hebt meine Laune nochmals. Im Garten sind Hängematten aufgespannt. Die Lehrer begrüssen uns freundlich. Den Einstufungstest eine halbe Stunde später gebe ich aber wieder leer zurück.

Meine Lehrerin bringt mir ein Gespür für Spanisch bei.

Als erstes unternehmen wir eine Tour durch die Stadt. Kaufen uns am Strassenrand geschnittene Mangos, die es gesalzen oder süss gibt. Meine schmeckt wie eine Handvoll Gummibärchen. Ihr natürlicher Geschmack ist unbeschreiblich. Mangos kann man hier direkt von den Bäumen essen. Auch frische Papaya und Ananas schmecken hier viel intensiver, als ich sie von zuhause in der Schweiz kenne.

Seit Cartagena ist Mango meine Lieblingsfrucht: Fruchtstände machen gute Laune.

Die ersten zwei Wochen in Cartagena sind hart. Ich verstehe nur Bahnhof. Vielleicht hilft es ja, wenn ich ein Hobby suche? Ich setze meine Hoffnung auf Kitesurfen. Weit gefehlt. Unbeholfen versuche ich im Meer, auf meinem Brett zu balancieren. Julio, mein Instruktor, ruft mir derweil unverständliche Anweisungen zu. Ich bin Haaresbreite davon entfernt aufzugeben.

Salsa tanzen statt aufgeben

Stattdessen gehe ich Salsa tanzen. Ingrid überredet mich eines Samstagabends, sie in eine Bar mit Rooftop zu begleiten. Von hier oben sieht man ganz Cartagena. Als ich auf einen Tisch zusteuere, zerrt sie mich geradewegs auf die Tanzfläche. «Höre einfach auf den Rhythmus und vergesse alles andere um dich herum!» Ingrid bringt mir die wichtigsten Schritte bei. Lange habe ich nicht mehr so viel gelacht wie an diesem Abend.

Danach fühlt sich alles irgendwie leichter an. Julio, meinen Kitesurf-Lehrer, verstehe ich inzwischen richtig gut. Während den Salsa- und Mojito-Nights in der Schule entwickle ich ein Gespür für die kolumbianische Musik. Und für den Singsang in ihrer wunderschönen Sprache.

Der Klang der Freiheit

Ingrid erzählt mir beim Abendessen oft Geschichten von früher. Wie sie sich verliebte und wieder entliebte. Wie die Menschen hier lebten. In meinen Gedanken reise ich mit ihr in Cartagenas Vergangenheit.

An den Wochenenden unternehmen wir Trips zu den umliegenden Inseln. Auf Playa Blanca und den Islas del Rosario übernachten wir in Hängematten unter freiem Himmel. Nichts als das Rauschen des Meeres im Hintergrund. Und das Summen einzelner Mücken. Am nächsten Tag wachen wir ausgeruht auf. Zählen beim Kaffee am Strand unsere Mückenstiche und grinsen. Die Füsse im Sand. «Mañana no existe!», sagt mir Ingrid. Ich stimme ihr zu. Wir leben nur heute!

Alain Buob

Weitere Posts von Alain Buob

Hinterlasse deinen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.