Night scene with street market in the small resort town of Montanita, Ecuador

Sprachaufenthalt Montañita Erfahrungsbericht von Mara

Erfahrungsbericht

November, 2022 | Mara Duttweiler

Nach einem langen Flug lande ich gegen 17.00 Uhr in Guayaquil. Beim Aussteigen schlägt mir die Hitze ins Gesicht. Meinen Pullover kann ich gleich ausziehen und zuunterst im Rucksack verstauen. Den werde ich wohl so schnell nicht mehr brauchen. Ich bin froh, endlich in Ecuador zu sein, aber sehr nervös vor dem, was mir bevorsteht. Wie werde ich wohnen? Wie ist der Standard? Wird es mir gefallen? Und vor allem: kann ich mich verständigen? Werden mir meine selbst angeeigneten Spanischskills irgendwie helfen?

Bienvenido a Ecuador

Durch die Passkontrolle komme ich ohne Probleme. Man spricht noch Englisch mit mir. Beim Ausgang wartet dann Andres auf mich. Er bringt mich während einer dreistündigen Fahrt nach Montañita an die Küste von Ecuador. Dort werde ich die nächsten zehn Wochen verbringen. Andres plaudert mit mir und erzählt mir von Ecuador. Ich verstehe einzelne Brocken und kann mir alles etwas zusammenreimen. Meine Antworten bestehen aber hauptsächlich aus «aaah sii», «ok», «bueno» oder einfach einem unsicheren Lachen. Beim Blick aus dem Fenster freue ich mich immer mehr auf das bevorstehende Abenteuer. Die Sonne geht langsam unter und färbt die ganze Umgebung in ein feuriges Rot. Es riecht nach Sommer. Wir fahren über die Autostrassse durch kleine Städtchen und verlassene Gegenden. Unterwegs erkenne ich bereits einige Unterschiede zur organisierten Schweiz. Tiere wie Esel, Hühner und Hunde laufen frei auf der Strasse herum.

Die letzte Stunde der Fahrt geht an der Küste entlang. Es ist bereits dunkel. Ich sehe das Meer nicht, aber rieche die frische Brise.

Gegen zehn Uhr treffen wir in Montañita ein. Das Dorf ist sehr belebt. Von überall erklingt Reggaeton und Salsa Musik. Die Strassen sind voll mit Menschen. Meine Gastmutter Norma begrüsst mich herzlich und zeigt mir das Haus. Es ist alles sehr einfach gehalten. Die Wände und der Boden sind mehrheitlich aus Rohbeton oder aus Holz. Mir wird etwas mulmig. Wie wird wohl mein Zimmer aussehen? Und besonders: Wie sehen die sanitären Anlagen aus? Da bin ich doch immer etwas heikler. Als wir mein Zimmer betreten, schwinden alle meine Sorgen. Es scheint, einer der schönsten Räume des Hauses zu sein. Es ist sehr sauber, hat Fliesen an den Wänden und am Boden, ein grosses Bett mit Mückennetz. Und ganz wichtig, einen Ventilator. Dazu habe ich ein eigenes Badezimmer. Ich fühle mich gleich wohl und lege mich schlafen.

Sprachaufenthalt Ecuador, Montañita,

Sehr einfach gehaltenes Wohnzimmer. (Noch) keine Fliesen - nur Rohbeton.

Mucho Calor en Montañita

Am Montag startet die Schule. Ich treffe meine Gastmutter am Morgen in der Küche. Es riecht herrlich nach Kaffee. Norma hat mir einen frischen Fruchtsaft zubereitet sowie Rührei. Während den ganzen zehn Wochen gibt es täglich frisch gekochtes Frühstück mit leckerem Fruchtsaft und Kaffee. Norma hält sich nicht zurück und geht sicher, dass ich ja nie hungrig das Haus verlasse. Sie kocht Ecuadorianischen Bolon (ein Gericht aus Kochbananen), French Toast, Omelette oder Müesli.

An meinem ersten Morgen sitze ich noch ruhig am Tisch. Norma erzählt mir etwas und ich versuche mich mit Händen und Füssen zu verständigen. Immer wieder kommt jemand in die Küche. Es sind meine Gastgeschwister. Alle begrüssen mich freundlich und fragen, wie es mir geht. Auch fragen alle immer «Mucho calor, no?». Mit ihren Gestiken lerne ich, dass es heisst, dass es sehr heiss ist. Man scheint mir wohl anzusehen, dass ich mich noch nicht an die Lateinamerikanischen Temperaturen gewohnt bin. Ich finde es aber aushaltbar und freue mich, dass ich bereits etwas Spanisch gelernt habe. «Mucho calor» wird mein Satz der Woche. Ich benutze ihn bei fast jedem Gespräch. Viel mehr kann ich eh noch nicht sagen.

Hablo un poco de Espanol

Nach dem Frühstück mache ich mich auf den Weg zur Montañita Spansich School. Wieder bin ich nervös. Bin ich die einzige neue Studentin? Wie gross ist die Schule? Kann wohl auch jemand Englisch?

Die Sprachschule liegt etwas höher auf einem kleinen Hügel. Nach einer längeren Treppe komme ich ausser Atem in der Schule an und werde von Sammy, Intern aus den Niederlanden, begrüsst. Sie merkt schnell, dass mein Spanisch noch nicht ausreichend ist. Das Wichtigste erklärt sie mir auf Englisch. Mit drei anderen neuen Studierenden mache ich einen kleinen Einstufungstest und werde zu meiner Überraschung nicht ins tiefste, sondern ins zweit tiefste Level eingestuft. Hat mich meine Sprach-App doch etwas gelehrt.

Die erste Schulstunde habe ich bei Liliana gemeinsam mit zwei anderen Schülerinnen. Liliana ist in der Gegend aufgewachsen und lebt noch heute dort. Es wird nur Spanisch gesprochen. Wir sitzen uns alle an einem Tisch gegenüber. Der Unterricht ist sehr abwechslungsreich. Zu Beginn der Stunde müssen wir Schülerinnen etwas erzählen. Danach lernen wir neue Wörter und Verben konjugieren. Die Atmosphäre ist sehr freundschaftlich. Die letzte halbe Stunde spielen wir ein einfaches Spiel. Natürlich immer in Spanisch. Wörter, die ich nicht kenne, schreibe ich mir auf. Erklärt werden sie mir nicht auf Englisch, sondern auf Spanisch.

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Von der Sprachschule aus hat man einen schönen Überblick über Montañita.

Nach dem Unterricht gibt es von der Schule organisiert eine kleine Tour durchs Dorf und am Abend ein freiwilliges Welcome Dinner in einem Restaurant. Nach dem ersten Schultag kann ich sogar meiner Gastmutter schon mitteilen, dass ich nicht zu Hause essen werde. Obwohl es womöglich übersetzt, eher so klingt: «Ich nein essen zu Hause. Gehen mit Schule.»

Aber ich bin froh, kann ich bereits nach dem ersten Tag schon mehr sagen als ja, nein gut und ok.

Meine Gastfamilie kennt sich mit Sprachschülerinnen aus und hat sehr viel Geduld mit mir.

Arroz con Pollo, Pescado o Pasta

Mein Gasthaus ist ein Mehrgenerationen Haus. Mama Norma und Papa Angel leben hier mit ihren bereits erwachsenen Töchtern und deren Kindern. Diese sind zwischen acht Monate und sieben Jahre alt. Ideal um die Sprache zu lernen. Sie sind sehr neugierig, fragen und plaudern sehr gerne. Meine Gastbrüder, welche nicht mehr im selben Haus wohnen, schauen oft vorbei und bleiben zum Essen. Beim Abendessen bin ich also nie alleine am Tisch. Gekocht wird frisch. Es gibt immer und wirklich ausnahmslos jeden Tag Reis. Oft mit frischem Fisch, Meeresfrüchten oder Hühnchen. Dazu Kochbananen. Die liebe ich besonders. Nach einigen Wochen fehlt mir aber eine leckere Pasta. Ich erzähle es Norma und sie kocht extra ein Pastagericht. Ich freue mich sehr darauf. Als ich den Teller erhalte, muss ich lachen. Was liegt denn da neben dem leckeren Pastagericht? Natürlich, eine kleine Portion Reis. Darauf lässt es sich wohl einfach nicht verzichten.

Die wenigsten Studenten bleiben so lange in Montañita. Da ich so viel Zeit habe und auch viel davon mit der Gastfamilie verbringe, werde ich selbst wie ein Familienmitglied aufgenommen. Mama Norma nennt mich liebevoll Marita. Sie ist sehr bemüht, mir ihre Kultur näher zu bringen. Ich begleite die Familie an Kindergeburtstage und Hochzeiten. Die Ecuadorianer sind sehr gastfreundlich und unkompliziert. Ohne Probleme kann man jemanden an solche Partys mitnehmen.

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Mara verbringt viel Zeit mit der Gastfamilie (und deren Haustier).

Eines meiner Highlights ist, als ich die Familie an eine Quinceañera begleiten darf. Ich habe schon von diesen Festen gehört und weiss, dass hier der 15. Geburtstag eines Mädchens gefeiert wird. Aber diese Geburtstagsparty ist keineswegs vergleichbar mit irgendeinem Fest in der Schweiz. Für mich hat es Dimensionen eines Dorffestes aus meinem Heimatort. Es wird dafür extra eine Strasse gesperrt und eine grosse Bühne aufgebaut. Darauf spielt eine Liveband und ein Animator führt durch den Abend. Das Geburtstagskind hat ein grosses pompöses Prinzessinnenkleid an und führt mit ihren Kolleginnen eine kleine Tanzaufführung auf. Es stehen überall Tische und Plastikstühle. Auf Plastikgeschirr gibt es etwas zu essen. Fleisch, Gemüse und Reis darf natürlich nicht fehlen. Es ist sehr laut und es wird viel Cumbia getanzt. Mein Gastbruder zeigt mir die Schritte und ich tanze die ganze Nacht.

Auch sonst verbringe ich mit meiner Gastfamilie viel Zeit. Meine Gastbrüder nehmen mich mit zum Schnorcheln und Surfen.

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Gastmutter Noma mit zwei ihrer Enkelkinder.

Surf, Learn, Eat, Party, Sleep - Repeat

Das Wellenreiten lerne ich in der Schule. Dort habe ich die Surfstunden dazu gebucht. Jeden Tag vor oder nach der Schule begeben wir uns in die Wellen des Pazifiks. Bereits in der ersten Stunde stehe ich auf dem Brett und nach einigen Tagen reite ich meine erste grüne Welle.

Ebenfalls mit mir im Wasser ist Larissa. Sie ist aus Basel, auch eine Langzeitstudentin und bleibt acht Wochen in Ecuador. Wir verstehen uns von Anfang an und sind ab dem ersten Tag fast nur noch gemeinsam anzutreffen. Wenn wir nicht in der Schule oder am Surfen sind, findet man uns am Strand. Da Montañita nicht sehr gross ist, kennt man uns auch schon bald im Dorf. Wir freunden uns mit Locals an und können unser Spanisch auch neben der Schule anwenden.

Die Locals treffen wir oft abends zum Feiern. Denn auch wenn Montañita eher klein ist, hat es so einiges an Partylokalen zu bieten. Zum Vorglühen trifft man sich in der Calle de los Cocteles. Eine kleine Gasse, wo ein Stand nach dem anderen frisch gemixte Drinks anbietet. Meine Favoriten sind Mojito de Maracuja und Daiquiri de Fresa. Aber Achtung die Drinks sind superlecker und sehr günstig. Da trinkt man schnell einen zu viel.

In einem der verschiedenen Discos in Montañita kann man gut bereits am Mittwoch bis in die frühen Morgenstunden tanzen und feiern. Das ecuadorianische Wort für Kater «Chuchaqui» lerne ich in der ersten Woche. Dieser begleitet mich doch das eine oder andere Mal in den Unterricht. Die Lehrerinnen nehmen mich dann gerne hoch und geben extra schwierigere Aufgaben. Ich nehms mit Humor. Wer trinken kann, kann auch arbeiten.

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Wenn sie nicht Spanisch lernt oder surft, ist Mara am Strand anzutreffen. Umgeben von Locals.

Hasta Luego Ecuador

Die Wochen vergehen wie im Fluge. Mein Spanisch wird von Woche zu Woche besser. Ich unterhalte mich zwar nicht fehlerfrei, aber fliessend auf Spanisch. In meinen letzten Wochen in Montañita lernen wir in der Schule das Subjuntivo, wo ich Imperativsätze bilden muss. Ich schreibe den Satz «Disfruta cada momento como si no hubiera un mañana» auf. Übersetzt heisst das: «Geniesse jeden Tag, als gäbe es kein morgen.» Und genau das tue ich in Montañita. Nach der Schule lebe ich in den Tag hinein. Gehe surfen, erkunde die Gegend und geniesse die Unbeschwertheit.

Der Abschied nach zehn erlebnisreichen und lehrreichen Wochen fällt mir sehr schwer. Die Tränen fliessen bei mir und meiner Gastmutter Norma. Meine Freunde sitzen mit mir an der Bushaltestelle. Sie winken, als der Bus Richtung Guayaquil losfährt. Ich bin traurig, aber unendlich dankbar für dieses Erlebnis, die neuen Freundinnen und meine neue Familie. Und eins weiss ich, ich werde zurückkehren.

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