In Auckland lernt Sarina ganz relaxed Englisch

Vor mir liegen die unglaublichen Weiten der Tasmansee. Ich setze mich hin und blicke aufs Meer. Möchte aber am liebsten nur schlafen. Ein 35-stündiger Flug von Zürich nach Auckland, Neuseeland, liegt hinter mir. Meine Gastmutter hat mich stattdessen nach draussen an die frische Luft geschickt und hinterhergerufen: «Das hilft gegen den Jetlag!» Zugegeben. Es gibt schlimmere Orte, als sich hier in Lynfield die Zeit zu vertreiben.

Das Haus meiner Gastmutter und ihrer beiden Kinder liegt einen Steinwurf vom Meer entfernt. Hell und zweistöckig reiht es sich perfekt in diese kleine Vorstadtidylle ein. Die Menschen im Viertel winken sich beim Vorbeigehen zu. Jeder kennt hier jeden.

Drei Stockwerke gross und Sprachstudenten aus aller Welt: das NZLC Auckland Language Centre.

Fast schon riesig hingegen ist das Gebäude NZLC Auckland Language Centre mitten im Stadtzentrum. Auf jedem der drei Stöcke tummeln sich ausländische Sprachstudenten. Dem ersten Schweizer begegne ich erst nach drei Wochen.

Auf den vielen Weekendtrips von der NZLC lernt sich die Klasse besser kennen. Wir besuchen Hobbiton, wo das Set von «Lord of the Rings» liegt. Fotografieren uns gegenseitig mit Filmrequisiten. Dabei komme ich mit Valentina aus Argentinien ins Gespräch. Sie erzählt mir von ihrer Arbeit, ihren Freunden und wie schön die argentinischen Anden und Vulkane sind.

Farben, so leuchtend, dass kein Filter nötig ist: einer der Emerald-Lakes.

Während des nächsten Klassenausflugs eine Woche später marschieren wir Seite an Seite durch den Tongariro-Nationalpark. Er ist der viertälteste weltweit und gehört zum Weltkultur- sowie Weltnaturerbe der UNESCO. Seine Landschaft wirkt surreal, wie aus einem Sci-Fi-Film: erstarrte Lavaströme, dampfende Krater, smaragdgrüne Seen. Beherrscht wird das Gebiet von drei aktiven Vulkanbergen mit den klingenden Namen Tongariro, Ngauruhoe und Ruapehu.

Ein nächstes Naturspektakel erwartet die Klasse in Coromandel: Am Hot Water Beach gräbt sich jeder seinen eigenen Pool. Wir genehmigen uns ein Bad im heissen Wasser und schauen der Sonne beim Untergehen zu. Valentina und ich sind uns einig: Wir haben den entspanntesten Unterricht der Welt!

Baden während des Unterrichts: am Hot Water Beach in Coromandel.

Nach den Wochenenden halten wir unsere Eindrücke in kurzen Aufsätzen fest. In Gedanken rufe ich die Bilder nochmals auf. Majestätische Vulkane im Tongariro-Nationalpark. Baden im Heisswasserpool. Biken auf goldgelben Hügeln. Die passenden Wörter sind mir inzwischen geläufig. Gelegentlich muss ich sie im Netz nachschlagen. Hausaufgaben und Unterricht fühlen sich wirklich nicht wie Schule an.

Biken mit Aussicht: Aucklands umliegende Hügel sind einzigartig.

Meinen Sprachaufenthalt in Auckland dokumentiere ich fast täglich mit meinem Handy. Doch Bilder allein genügen mir nicht. Ich recherchiere und stosse im Internet auf einen maorischen Tätowierer in der Stadt. Nach einer Portion Bibimbap bei meinem Lieblingskoreaner betrete ich den Shop: Seine Arbeiten sind kunstvoll. Die Bilder an der Wand inspirierend. Ich zeige ihm das gewünschte Sujet und die Stelle, wo ich es haben will.

Nach drei Stunden sind wir fertig. Die Spannung und Neugier gross. Ich bin begeistert: Auf meiner Schulter trage ich jetzt ein Symbol der Ureinwohner. Es soll mir auf meinen weiteren Reisen Glück bringen. Mich für die Ewigkeit an diese Zeit erinnern.

Neuseeland, deine Schönheit geht mir unter die Haut …

Alain Buob

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