Mit Aussies jubeln & mit Humor lernen: Davids Sprachaufenthalt in Sydney

Sydney bringt mir im Laufe meines dreimonatigen Sprachaufenthaltes drei Dinge bei. Die ersten beiden folgen gleich zu Beginn. Nummer drei lerne ich kurz vor meiner Heimreise.

1. Willst du wie ein echter Aussie klingen, begrüsse und verabschiede jeden hier mit «mate». Ob im Shop oder im Take-away. «How are you mate?» und «Take care mate» hört man hier mehr, als der Kontinent Kängurus zählt.

2. Grüsse die Busschauffeure und bedanke dich für die sichere Fahrt. Alles andere ist fast so unhöflich wie zuzugeben, dass man Vegemite oder Wombats nicht mag.

Anfangs habe ich mir noch überlegt, was ich sage oder wie ich etwas formuliere. Im Coffee-Shop vor der Schule, oder wenn ich mir danach am Kiosk mein Lieblingsmangoeis kaufte. Nach wenigen Wochen im Englischkurs bin ich jedoch selbstbewusster und lockerer. Das habe Marcs Unterricht zu verdanken.

Britischer Humor im Unterricht

Unser Lehrer Mitte 30 mit englischen Wurzeln sorgt täglich für gute Stimmung. Seine Sprüche sind flott. Sein Humor so trocken wie die australische Wüste. Er quittiert praktisch alle unsere Antworten mit «Fair enough!» In der Klasse wird dieser Kommentar bald schon zum Running Gag.

Auf unseren regelmässigen Touren durch Sydney lerne ich nicht nur geschichtsträchtige Gebäude und Viertel kennen. Ich erfahre mehr über die Stadtentwicklung und verbessere mein Englisch. Jede Gruppe bereitet vorher ein Thema vor. Wir berichten über das Szeneviertel «The Rocks» am Hafen. Wo früher wichtige Handelsgüter verschifft wurden, reihen sich heute angesagte Bars, Cafés, Märkte und Restaurants aneinander.

The Rocks – Sydneys Szeneviertel. Bild: therocks.com

Mit Carlos aus Mexiko und Gaston aus Frankreich verbringe ich viel Zeit. Wir entdecken entlegene Surfspots und streifen durch multikulturelle Viertel. Wenn uns nach frischer Luft und Bergen zumute ist, steigen wir in den ersten Zug und fahren in die Blue Mountains. Geniessen die Abkühlung zwischen riesigen Farngewächsen, Bäumen und Wasserfällen. An den Wochenenden feiern wir in Clubs die Nacht durch. Besuchen Surf Opens mit internationalen Wellenreitern oder Fussballspiele. Ich erlebe, wie die Australier jubeln und lasse mich von den rot-blau-weiss gekleideten Fans im Stadion mitreissen.

Citytrips und Beach Hoppings

In Sydneys Natur gibt es viel zu entdecken: einsame Strände und Buchten zum Beispiel.
Auf Entdeckungstour durch Sydneys Viertel: mit Gaston (ganz links im Bild) und Carlos (rechts).

In meiner Residenz hier im Viertel Redfern wohnen etwa 30 Sprachstudenten auf drei Stockwerken. Die meisten von ihnen kenne ich aus der Schule. Wenn wir uns nicht dort begegnen, dann im TV-Raum oder in der grossen Gemeinschaftsküche. Wir kochen, essen und sprechen über unsere Fortschritte beim Surfen. Gleich in der Nähe liegt ein weitläufiger Park, wo ich häufig laufen gehe oder mit den Jungs Fussball spiele. Ich fühle mich in dieser «WG» so wohl, dass ich am liebsten gar nicht mehr weg will. Der Tag der Abreise rückt jedoch immer näher. Vorher noch mache ich die dritte und letzte Feststellung.

Best for last

3. Nicht alle Spinnen in Australien sind giftig. Kürzlich hing eine über meinem Schreibtisch. Grau-braun und so gross wie meine Hand. Auf der Infotafel draussen vor unserer Wohnresidenz ist ein Grossteil der gefährlichen Spinnen aufgelistet. Das friedliche Krabbeltier in meinem Zimmer gehörte allerdings nicht dazu. Also fing ich sie flugs ein und liess sie frei. Die meisten haben ohnehin Angst vor Menschen.

Mit diesem Erlebnis entlässt mich Sydney aus meinem Sprachaufenthalt. Zurück in die geordnete Schweiz. Wo niemand die Buschauffeure grüsst. Und die Spinnen klein sind.

Adriana Zilic

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