Sprachaufenthalt Frankreich, Biarritz, Stadt

Sprachaufenthalt Biarritz Erfahrungsbericht von Nina

Erfahrungsbericht

Juni, 2023 | Nina Suter

Nach einem kurzen Zwischenhalt in Paris hebe ich mit der Maschine ab. Von meinem Fensterplatz blicke ich nach draussen. Es ist nach neun und dunkel. Das Flugzeug steigt in die Höhe. Die Lichter der Stadt werden kleiner. Und plötzlich erkenne ich unter mir den Eifelturm, die Champs-Elysée und den Arc de Triuomphe. Alles leuchtet goldig. Das Flugzeug schwenkt ab und ich sehe alles noch etwas deutlicher. Es wirkt magisch. Ich deute dies als ein gutes Zeichen für mein bevorstehendes Abenteuer. Für vier Wochen reise ich nach Biarritz. Mit dem Ziel mein Französisch aufzufrischen.

Bienvenue à Biarritz

Knapp zwei Stunden später stehe ich am Flughafen Biarritz vor dem Gepäckband und warte auf meinen Koffer. Vergebens. Dieser scheint in Paris geblieben zu sein. Wie war das mit dem guten Omen!? Etwas niedergeschlagen, gehe ich Richtung Ausgang. Dort sehe ich schon von weitem zwei Männer mit meinem Namensschild. Mein Gastvater Stéphane und Gastbruder Hugo. Sie begrüssen mich freundlich und helfen mir gleich die nötigen Formulare für den Koffer auszufüllen. Das stimmt mich wieder positiv.

Nach einer kurzen Autofahrt erwarten mich Gastmutter Christelle und Gastschwester Luna zu Hause. Sie führen mich gleich in die Küche, wo sie mich erstmals verpflegen. Ich bin dankbar für die Stärkung. Währenddessen möchten sie mehr von mir erfahren. Über mich persönlich, mein Leben in der Schweiz, meine Hobbies. Woher ich komme, was ich beruflich mache, wie gross meine Familie ist. So gut es geht, versuche ich zu antworten. Der Sprachwechsel macht mir noch etwas zu schaffen. Es dauert etwas, alles in meinem Kopf zu übersetzen und meine Sätze bereit zu legen. Ich bin eine Perfektionistin. Möchte möglichst fehlerfrei sprechen.

«Quel talent!»

Nach einer erholsamen ersten Nacht begleitet mich Stéphane am nächsten Morgen in die Sprachschule. Die BLCI Biarritz befindet sich in einem kleinen Häuschen in einer ruhigen Wohngegend. Ums Haus wirkt alles noch ruhig und geschlossen. Andere Studenten sehe ich noch keine. Ich bin verunsichert. Habe ich die Infos zum ersten Tag falsch gelesen? Vorsichtig öffne ich die Türe und treffe drinnen gleich auf Isabelle. Sie erwartet mich bereits und zeigt mir erstmals den Pausenraum mit der Kaffeemaschine. Nach einer kurzen Führung durch das Schulhaus, mache ich einen Einstufungstest und werde ins entsprechende Niveau eingestuft. Mittlerweile sind auch die übrigen Studenten eingetroffen. Es sind nicht viele, jetzt in der Zwischensaison. Ein überschaubares Trüppchen. Ich komme schnell mit allen ins Gespräch.

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Lockere Atmosphäre im und ums Haus an der BLCI Biarritz

Der Unterricht ist locker und persönlich. In der ersten Woche sind wir nur zu zweit in der Klasse. Gemeinsam sprechen wir über unterschiedliche Themen. Berufe, Sportarten, Gefühle. Dazu kommen verschiedene Zeitformen wie Imperativ, Passé Composé, Futur. Vieles kommt mir bekannt vor. Doch ich bin dankbar, alles nochmals Schritt für Schritt üben zu können. Mehrmals habe ich diesen «aaah ja, so war das»-Moment. Vio unterrichtet enthusiastisch und mit viel Freude. So macht der Unterricht Spass. Komplizierte Sachen erklärt sie einfach und auf ihre sympathisch französische Art. Verstehe ich ein Wort nicht, erklärt sie es mir auf Französisch. Deutsch oder Englisch wird nie gesprochen. Vio weiss, wie sie die Schüler motiviert. Machen wir etwas richtig, klatscht sie in die Hände und ruft laut: «Quel talent!».

Zwischen Grammatikübungen spielen wir Stadt, Land, Fluss oder besser gesagt «un jeu de petit bac». Wir hören uns französische Lieder an und behandeln die Songtexte. Nach den vier Wochen Unterricht bei Vio erhält meine Playlist ganz viel neue Musik.

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Enthusiastisch und motivierend: der Unterricht bei Vio

Sonne, Strand und Savoir-Vivre

Die Schule dauert jeweils bis Mittag. Danach hole ich mir gerne etwas zu essen. In einer Boulangerie, bei Carrefour oder auch auf dem Markt. Dieser ist jeden Tag. Und die Auswahl gross. Frische Früchte, Gemüse, Galettes. Die französische und salzige Version der Schweizer Omeletten. Mit Essen ausgestattet geht’s zum Strand. Mit dabei meine Freundinnen aus der Sprachschule. Katja und Chiara aus der Schweiz und Melanie aus England. Hier geniessen wir die Sonne und den Blick aufs Meer. Es ist meist um die 20 Grad warm. Geht ein Wind, kanns kühl werden. Es lohnt sich also auch bei sonnigem Wetter eine leichte Jacke mitzutragen. Am und um den Strand verbringe ich meine freie Zeit am liebsten. Ich liebe es, der Promenade entlangzulaufen, auf einer Parkbank zu lesen oder aus einem Café Leute zu beobachten. Das französische Savoir-Vive ist genau mein Ding! Nach Hause gehe ich erst, nachdem ich den Sonnenuntergang gesehen habe. Daran kann ich mich nicht satt sehen.

Sprachaufenthalt Frankreich, Biarritz, Sonnenuntergang

An den Sonnenuntergängen kann sich Nina nicht satt sehen

Abendessen gibt es bei meiner Gastfamilie eh nicht vor Sonnenuntergang. Deshalb essen wir manchmal erst gegen neun. Viel später, als ich das aus der Schweiz kenne. Das Warten lohnt sich. Stéphane ist Koch und zaubert gerne leckere Gerichte. Für mich probiert er sich auch etwas in der vegetarischen Küche aus. Es gibt selbstgemachte Falafel, Linseneintopf, Galettes und vieles mehr. Sehr lecker!

Am Tisch ist es nie ruhig. Es gibt immer etwas zu besprechen. Mit Luna unterhalte ich mich gerne über Musik. Wir haben einen ähnlichen Geschmack. Unsere Lieblingsband Coldplay ist meist das Hauptthema. Dabei merke ich, wie ich viel fliessender spreche. Ich bin lockerer. Mache mir keine Sorgen mehr, Fehler zu machen

Französische Auszeit auf Spanisch

Wird mir das Französisch doch mal zu viel. Bin ich von Biarritz schnell im spanischen San Sebastian. Hier schlendere ich entlang der Strandpromenade, shoppe in spanischen Modehäusern und schlage mir den Bauch mit Pintxos und Paella voll.

Natürlich hat auch die Umgebung von Biarritz einiges zu bieten. Der Ort gilt als Surf Mekka Europas. Ich kann hier also nicht weg, ohne dass ich den Wassersport nicht mal ausprobiert habe. Über die Sprachschule kann ich einen Anfängerkurs buchen. Mit Wetsuit und Sunblocker ausgerüstet treffen wir uns am Strand. Dort gibt es erstmals die wichtigsten Infos zum Surfen und besonders zu den Eigenheiten des Meeres und der Strömung. Bevor wir ins Wasser gehen, üben wir das Aufstehen auf dem Brett im Trockenen. Mein Surflehrer meint «pas mal» und gibt mir einige Verbesserungsvorschläge. Ich bin motiviert. Es kann nur gut gehen. Im Wasser wird meine Motivation dann aber etwas gebremst. Gefühlt brauche ich 20 Anläufe, bis ich auf dem Brett stehe. Danach machts gleich etwas mehr Spass. Nach eineinhalb Stunden bin ich fix und fertig. Und zufrieden. Das wird bestimmt nicht meine letzte Surfstunde gewesen sein.

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Biarritz, das Surf-Mekka Europas

Abschied schweren Herzens

Nach vier Wochen in Biarritz fällt mir der Gedanke an meine Abreise schwer. Ich fühle mich hier sehr wohl. Geniesse meine freie Zeit, den französischen Lebensstil und die Nähe zum Meer. Ich könnte mich daran gewöhnen. Auch meine Schulfreunde und meine Gastfamilie werde ich vermissen. Wir versprechen uns in Kontakt zu bleiben.

Und tatsächlich. Noch Wochen nach meiner Rückkehr in die Schweiz sendet mir Christelle hin und wieder Fotos vom Sonnenuntergang mit einem «grand bonjour de Biarritz».

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