«Cool, innit?» – Larissas Sprachaufenthalt in London

Farbige Leuchtreklamen. Rote Doppeldeckerbusse, hupende Taxis und Menschenmassen. Die Atmosphäre am Piccadilly Circus ist einmalig. Ich liebe London. Seit Tag eins meines Sprachaufenthaltes. Die Stadt ist wie eine Überraschungsparty: Laut, aufregend und du erinnerst dich immer gerne an sie zurück. Bereits jetzt ist klar, dass ich wiederkommen und länger bleiben werde.

Knallbunt, immer laut und immer belebt: der Piccadilly Circus in London.

Mein Morgen beginnt mit einem grossen Becher Kaffee von meinem Lieblingscoffeeshop in einer Seitenstrasse der Schule. Gelegentlich schwatze ich mit den Baristas, die mich allmählich kennen. Morgens ist aber meistes viel los. Dabei benutze ich am liebsten Ausdrücke wie «Most certainly» oder «fair enough». Ich habe sie in Lukes Unterricht gelernt.

«There gives a waterfall»

Während seinen Lektionen merke ich, was ich im Schulenglisch damals vermisst habe: typische amerikanische oder britische Ausdrücke wie «gobsmacked» oder «cool, innit?». Alltagsenglisch – oder den Slang eben. Stattdessen lernten wir Dinge wie «ink cartridge» oder «handicraft». Als ob ich jemals durch London laufen und jemanden fragen würde: «Excuse me sir, where can I buy a new ink cartridge?»

Aktuell behandeln wir sogenannte false friends: deutsche Begriffe, die direkt ins Englische übersetzt werden. Das klingt extrem komisch und extrem falsch. «There gives a waterfall» ist so ein Beispiel. Als Luke uns den Satz vorliest, lachen alle. Schütteln den Kopf. Dabei ist bestimmt jeder von uns schon mal in eine ähnliche Sprachfalle getappt.

Freitags ist Diplomtag: Schüler, die abgeschlossen haben, erhalten ihre Zertifikate. Jeder tritt vor seine Klasse und sagt ein paar kurze Worte. Schöne Erlebnisse und lustige Momente im Unterricht. Ich frage mich gerade, was ich wohl sagen werde, wenn ich in zwei Wochen das Papier entgegennehme.

Unsere Villa Kunterbunt

Ein Teil der WG beim Geburtstagsdinner einer Mitbewohnerin (Larissa ganz links).

Unsere Studentenunterkunft ist ein stattliches Haus im viktorianischen Stil aus dem 19. Jahrhundert. Graue Ziegelsteine, verzierte Dachgiebel und spitze Türme. Ich nenne sie liebevoll «Villa Kunterbunt». Acht Zimmer und zehn Mitbewohner. Viele von ihnen kenne ich aus der Schule. Morgens fahren wir gemeinsam mit der Tube zur Schule. Abends kochen wir, schauen englische TV-Serien oder spielen eine Runde Scrabble. Mit den zwei Schwestern Marie und Florence aus Lyon verstehe ich mich besonders gut. Nach dem Unterricht zieht es uns meistens in die Oxford Street zum Shoppen oder in den Covent Garden.

Gemeinsam Ausflüge machen: Larissa (links im Bild) mit ihrer Mitbewohnerin Florence in Brighton.

Morgen schon ist mein letzter Schultag und Diplomtag. Wenn ich vor der Klasse stehe, erzähle ich vom unterhaltsamen Unterricht. Dass ich endlich nützliche Ausdrücke aus dem Alltagsenglisch kennengelernt habe («gobsmacked» bedeutet übrigens völlig von den Socken zu sein und «innit?» ist die Kurzform von «isn’t it?»). London weckte in mir die Lust auf mehr.

Und tatsächlich: Einige Jahre später finde ich eine Stelle in einem prächtigen Fünfersternehotel in London. Cool, innit?

Adriana Zilic

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