Pubkultur & Unterricht mit Wortwitz: Matthews Sprachaufenthalt in Dublin

Das schallende Lachen des Barmanns hallt noch immer in meinen Ohren. In der ersten Woche meines Sprachaufenthalts in Irland besuchte ich das Brazen Head in der Bridge Street in Dublin. In Irlands ältestem Pub und fünftältestem Restaurant weltweit wollte ich einen Pfefferminztee trinken. Es war 14.30 Uhr und noch zwei Stunden bis zu «Beer O’clock». Der bärtige Mann mit roten Wangen und dickem Bauch hinter dem Tresen schaute mich verdutzt an. Dann lachte er los.

Gewisse Dinge tut man einfach nicht: zum Beispiel Tee in einem Pub bestellen. Bild: The Brazen Head

No tea in the pub – lesson learned!

Meine Idee war offenbar so skandalös, wie wenn man seine Spaghetti in einem italienischen Restaurant voller Einheimischer mit der Gabel zerkleinert. Oder eine sizilianische Nonna fragt, ob sie ihre Tagliatelle selbst gemacht oder gekauft habe. Das macht man einfach nicht.

Natürlich musste ich selbst lachen, als mir der Barmann die Absurdität meiner Bestellung nochmals vor Augen führte. Er erteilte mir gerade eine Lektion in Sachen irischer Pubkultur. Ich war hellbegeistert.

Inzwischen sind zwei von den insgesamt vier Wochen vergangen. Ich habe mich in meiner zweiten Heimat gut eingelebt (meine Mutter ist gebürtige Irin).

Irlands ältester Pub The Brazen Head ist ein beliebter Treffpunkt der Einheimischen. Bild: The Brazen Head

Grammatik mit Humor vermitteln

An der EC Dublin im Vorort Portobello bin ich der einzige Schweizer. Viele meiner Klassenkameraden kommen aus Skandinavien oder Italien. Das macht uns zu einer grossen multikulturellen Familie. Und Stefano ist mein Bruder. Nach dem Unterricht sitzen wir zwei oft in unserem Lieblingspub an der Grafton Street. Im Porterhouse Central planen wir unsere nächsten Wochenendtrips ins Fischerdörfchen Malahide mit seinen Seehundkolonien oder nach Grangegorman.

Neulich lachten wir über den unverwechselbaren Humor unseres Lehrers Fynn.

Ein typisches brickstone house – die EC Dublin in Portobello.

Als ich das Schulzimmer eines Morgens mit einer Packung Taytos Cheese & Onion (in Irland und GB nennt man sie übrigens «Crisps», nicht «Chips») und einem Becher Kaffee betrete, meint Fynn nur: «Ich habe noch nie jemanden mit so einem merkwürdigen Frühstück getroffen. Und ich muss es ja wissen. Ich bin Brite.»

Ich mag seinen Unterrichtsstil. Er kombiniert Wortwitz mit Schulstoff. Das macht vieles verständlicher – insbesondere die englische Grammatik. Wörter, die ich vorher falsch benutzte, kann ich im Unterricht verbessern. Fynn bringt uns beispielsweise die unterschiedlichen Bedeutungen von «desert», «dessert» und «deserted» bei und wie man die Wörter korrekt ausspricht.

Nichts für Warmduscher!

Auf das Abendessen bei meinen Gasteltern freue ich mich wie immer besonders. Heute habe ich mir Baked Beans mit Toast und Spiegelei gewünscht. Zugegeben, es unterscheidet sich kaum von einem Frühstück (die Taytos Crisps fehlen zwar). Aber als Vegetarier bin ich äusserst zufrieden damit. Die Iren konsumieren sehr viel Fleisch.

Meine Gastfamilie wohnt in Drumcondra, einem Stadtteil im Norden von Dublin. Alles hier ist typisch irisch: Die Reihenhäuser aus rostroten oder dunkelgrauen Ziegelsteinen. Ihre eingezäunten Vor- und Hintergärten. Sogar das Pumpsystem für Warmwasser. Morgens dauert es eine Weile, bis sich das Wasser aufheizt. Nichts für Warmduscher also. Immerhin ist man anschliessend richtig wach.

Ein letztes Bier im Brazen Head

Leider gehen vier Wochen ziemlich schnell vorbei. Besonders, wenn man die Zeit geniesst – selbst den Unterricht. Die Stadt und ihre Menschen werden mir fehlen.

Am Wochenende vor meiner Abreise statte ich dem Brazen Head einen Besuch ab. Am Tresen bestelle ich mir ein Bier und verspreche mit dem ersten Schluck, bald wieder nach Dublin zurückzukehren.

Damals wusste ich allerdings noch nicht, dass ich einst vier Jahre hier leben und in einer Sprachschule arbeiten würde. Aber das ist eine andere Geschichte.

Adriana Zilic

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